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Ihr Ratgeber über den Holzschutz

Was ist besser – Hartwachsöl oder Hartöl: Ein Vergleich

Klingt ähnlich – ist aber nicht dasselbe! Es geht um den Unterschied zwischen Hartöl und Hartwachsöl. Beides ist geeignet, um Holz damit zu schützen bzw. zu pflegen. In diesem Beitrag möchte ich auf die Vor- und Nachteile sowie ungefähren Kosten des jeweiligen Produkts eingehen und versuche die Frage zu beantworten, welches Produkt aus meiner Sicht „besser“ ist (obgleich das schwer werden könnte):

Das ist Hartöl

Bei Hartöl handelt es sich um ein bestimmtes Öl für Holz, dem Harze beigemengt werden, damit es schneller aushärtet. Dies kann ein natürliches Harz oder aber auch ein synthetisch hergestelltes Harz sein, was bedeutet, dass Sie sich vor dem Kauf diesbezüglich erkundigen sollten, wenn Sie ein natürliches Hartöl auftragen wollen.

In erster Linie werden Hartöle zum Schutz von Holzböden angewendet aber auch das Einstreichen von Möbeln, Tischplatten und dergleichen ist möglich. Eine Schutzschicht wird nicht gebildet – vielmehr zieht das Öl tief in das Holz ein. Damit grenzt es sich von vielen anderen Holzschutzmitteln ab, die eine Schicht an der Holzoberfläche ausbilden (Lacke, Wachse, Dickschichtlasuren, etc.).

Das ist Hartwachsöl

Das Hartwachsöl ist – wie aus dem Namen unschwer zu erkennen ist – ein Mischung aus Öl und Wachs. Der große Unterschied zum Hartöl ist, dass hier das Öl einzieht aber das Wachs eine Schicht am Holz ausbildet.

Das Wachs ist dabei meist das aus der Carnaubapflanze – ein sehr widerstandsfähiger Rohstoff, der auch höhere Temperaturen aushält, nicht aber sehr hohe punktuelle Hitze. Der Schmelzpunkt liegt im Bereich knapp über 80°C. Für eine Küchenarbeitsplatte erscheint es mir daher nur bedingt sinnvoll anzuwenden, weil es da oft einmal vorkommt, dass ein heißer Topf abgestellt wird.

Auch bei Hartwachsölen gibt es solche, die mit synthetischen Zusatzstoffen (Additive, Paraffine, etc.) versetzt sind und andere, die weitgehend natürlich gefertigt sind. Ein Blick in die Produktbeschreibung reicht hier vor dem Kauf meistens aus.

Haupteinsatzgebiete sind (ähnlich, wie beim Hartöl) Fußböden aus Holz, Möbels oder Tischplatten.

Vor- und Nachteile beider Produkte

Hier habe ich kurz die Vor- und Nachteile von Hartöl und Hartwachsöl gegenübergestellt:

Hartöl

  • Zieht tief in das Holz ein und lässt Poren offen
  • „Feuert“ die Holzoptik an
  • Trocknet schneller, als Standard-Öle
  • Keine Überdeckung der Oberfläche möglich
  • Kaum Schutz gegen Abrieb
  • Muss regelmäßig erneuert werden

Hartwachsöl

  • Schichtbildner an der Oberfläche
  • Guter Schutz gegen Abrieb und Beschädigungen
  • Verbindet Öl und Wachs in einem Produkt
  • In der Regel etwas teurer
  • Oberfläche kann wachsbedingt etwas matt wirken
  • Nicht optimal bei punktueller Hitze

Wie Sie sehen können, sind die Unterschiede beider Holzschutzmittel zwar nicht riesig groß aber dennoch vorhanden.

Wie hoch sind die Kosten in etwa?

Die Kostenunterschiede sind nicht wahnsinnig hoch. Auf den Literpreis betrachtet erhalten Sie Hartöle in etwa um 20 bis 25 Euro, während Hartwachsöle in etwa 25 bis 30 Euro kosten. Ausreißer sind natürlich immer möglich.

Hinweis HolzschutzEntscheiden Sie sich für ein sehr billiges Produkt, dürfen Sie zudem nicht erwarten, dass alles 100% biologisch und Zusatzmittelfrei abläuft. Beachten Sie das bei Ihrer Kalkulation immer und in jeden Fall dann, wenn Kleinkinder im Spiel sind (Stichwort: Einölen von Holzspielzeug). Hier sollten Sie IMMER darauf achten, dass der jeweilige Holzschutz lediglich solche Inhaltsstoffe aufweist, die auch geeignet sind.

Beim Flächenverbrauch sind beide Mittel auch ähnlich. Meiner Recherche zufolge kommen Sie mit einem einmaligen Auftrag etwa 20 bis 25 m² weit, bei doppeltem Auftrag bedienen Sie rund 12 bis 15 m².

Tipps zur Verarbeitung von Hartwachsöl und Hartöl

Punkto Verarbeitung funktionieren beide Produkte eigentlich gleich. Wichtig ist, dass die Umgebungstemperatur passt – es also nicht zu kalt und nicht zu heiß ist.

Das brauchen Sie

  • Weiche Pinsel (ein breiter für große Flächen und schmälere für kleine Flächen, Ecken, Kanten und Stirnseiten)
  • Handschuhe (falls Sie welche tragen möchten)
  • Schleifpapier für in unterschiedlichen Körnungen (grob, mittelgrob, fein)
  • Saubere und fuselfreie Baumwolltücher
  • Optional: Gummirakel zum Abziehen

So gehen Sie vor

  • 1. Schritt: Als erstes sollten Sie die Oberfläche reinigen und von Schmutz befreien. Ist sie sauber, können Sie gleich zum Schleifen übergehen. Arbeiten Sie sich dabei von grober Körnung zu feiner Körnung vor. Ich verwende für den Grobschliff meist eine Körnung von rund 100 und für feine Schliffe 220.
  • 2. Schritt: Entfernen Sie den gesamten Schleifstaub, in dem Sie ihn absaugen oder mit einer weichen Bürste abstreifen.
  • 3. Schritt: Tragen Sie das Hartöl bzw. Hartwachsöl auf, bis die Fläche gleichmäßig „nass“ ist. Das machen Sie am besten mit einem Pinsel oder einer Rolle (gute Eignung bei großen Flächen).
  • 4. Schritt: Nach einer Wartezeit von etwa 20 bis 40 Minuten (je nach Produkt unterschiedlich) ziehen Sie das überschüssige Öl mit einem Baumwolltuch oder einer Gummirakel ab.
  • 5. Schritt: Nun massieren Sie das Öl mit einem Baumwolltuch in das Holz ein. Achten Sie dabei wirklich darauf, dass kein Öl stehen bleibt, ansonsten haben Sie dort später klebrige Stellen.
  • 6. Schritt: Nach einer Wartezeit von mehreren Stunden (je nach Produkt unterschiedlich) können Sie eine zweite Schichte auftragen. Dazu gehen Sie so vor, wie bei der ersten Schichte, nur dass Sie nicht so viel Hartöl bzw. Hartwachsöl brauchen werden, weil das Holz bei der ersten Schicht bereits gut gesättigt wurde.
  • 7. Schritt: Nun lassen Sie auch die zweite Schichte trocknen und geben ihr nach einigen Stunden den letzten Schliff, in dem Sie ein letztes Mal mit die Fläche mit einem Baumwolltuch bearbeiten.
  • 8. Schritt: Ruhen lassen! Die behandelte Fläche sollte frühestens nach einigen Stunden berührt bzw. begangen werden und da auch nur mit Socken. Bevor Sie eine Nassreinigung durchführen oder Teppiche auflegen bzw. Möbel aufstellen, sollten 10 bis 14 Tage vergehen (die Endaushärtung von Ölen braucht eben etwas länger).

Tipp HolzschutzBei großen Flächen (das sind in aller Regel Fußböden) zahlt es sich aus, dass Sie sich eine Poliermaschine mit einem entsprechenden Aufsatz ausleihen. Der Ankauf selbst zahlt sich normaler Weise nicht aus. Sie sparen dadurch Zeit und Kraft.

Der Auftrag einer zweiten Schichte ist nicht immer erforderlich. Je nach Saugfähigkeit des Holzes und der späteren Beanspruchung kann eine Schichte durchaus ausreichend sein. Einen optimalen Schutz und ein echt tolles optisches Ergebnis erhalten Sie in aller Regel bei zweimaligem Auftrag – so zumindest meine Erfahrung.

Hartöl und Hartölwachs auftragen

Hier sehen Sie die Arbeitsschritte im Kurzüberblick zusammengefasst: Schleifen, 1. Auftrag, Polieren, 2. Auftrag, Trocknen lassen (Hinweis: nach dem zweiten Auftrag sollten Sie natürlich erneut polieren).

Was ist nun besser – Hartwachsöl oder Hartöl?

Was von beiden Ölen nun besser ist, vermag ich nur mit einem „es kommt darauf an“ zu beantworten. Haben Sie höher Anforderungen an die Oberfläche, ist vermutlich das Hartwachsöl besser geeignet, weil Sie eine Deckschichte erhalten, die vor Abrieb besser schützt.

Ist es Ihnen wichtig, dass die Oberfläche des Holzes gut zur Geltung kommt und möchten Sie das Holz „anfeuern“ wird Holzöl die bessere Wahl darstellen.

Wie auch immer Sie sich entscheiden: Beachten Sie die relativ langen Trocknungszeiten im Vergleich zu Lacken und Lasuren und wählen Sie meiner Empfehlung nach ein möglichst natürliches Produkt ohne synthetische Inhaltsstoffe.


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